Flughafen Lahr vor ungewisser Zukunft

Betreiber Babcock & Brown gerät durch Finanzkrise in Schwierigkeiten und will verkaufen

Lahr (lsw) - Der politisch umstrittene Flughafen im badischen Lahr steht vor einer ungewissen Zukunft: Geschäftsführer Axel Großmann bestätigte gestern, dass der Black Forest Airport verkauft werden soll.

Der durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geratene Betreiber Babcock & Brown strukturiere sich neu und suche einen Partner. „Es geht nicht um einen Notverkauf“, betonte Großmann. „Die Existenz des Flughafens ist überhaupt nicht bedroht.“ Doch diese Einschätzung wird nicht von allen geteilt.

Im Stuttgarter Verkehrsministerium heißt es: „Es war klar, dass es schwierig wird.“ Nur 60 Kilometer weiter nördlich liegt der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (Baden-Airport), dessen Ausbau die Landesregierung in den vergangenen Jahren unterstützt hat. Karlsruhes OB Heinz Fenrich (CDU) fühlt sich nun bestätigt: „Am Oberrhein ist kein Platz für einen zweiten Regionalflughafen.“ Ob und wie der Lahrer Flughafen aus den Turbulenzen herauskommt, ist aus Sicht des Landes alleine Sache des privaten Betreibers.

Die Piste in Lahr hatte nach langem politischen Tauziehen und gegen den erbitterten Widerstand von Politik und Wirtschaft in der Technologieregion Karlsruhe im Juni 2006 eine eingeschränkte Passagierfluglizenz erhalten: nur für Gäste des benachbarten Europa-Parks Rust. Doch die bleiben bis auf weiteres aus; in der neuen Saison sind keine entsprechenden Flüge von und nach Lahr geplant. Dafür weitet der Vergnügungspark die Zusammenarbeit mit dem Baden- Airport aus.

Die Südbadener hoffen nun auf einen neuen Betreiber. Zwar schreibt der Black Forest Airport seit Beginn rote Zahlen. Flughafen-Chef Großmann sagt aber: „Wir sind in der Entwicklung.“ Wegen der langen und gut ausgebauten Startbahn und der Lage direkt an der Autobahn sieht er noch ein großes Potenzial.

Vor allem politische Hindernisse haben aus Sicht der Stadt Lahr einen Steigflug verhindert. „Für uns ist nicht der Verkauf als solcher bedeutsam, sondern das Konzept, das ein neuer Eigentümer verfolgen wird. Wir unterstützen alle vernünftigen Ansätze für eine dynamische Nutzung“, sagte der Lahrer OB Wolfgang G. Müller (SPD). „Wir brauchen den Flughafen Lahr als Infrastrukturmaßnahme“, heißt es auch bei der IHK Südbaden. Ein erster Schritt wäre es aus IHK-Sicht, wenn die Verwaltung den Airport als „Zollflugplatz“ anerkennen würde. Die Einstufung ist Voraussetzung dafür, dass auf einem Flughafen außereuropäischer Frachtverkehr ohne weitere Genehmigung abgewickelt werden kann. Vor dem Bundesverfassungsgericht hatten die Lahrer im September 2009 dazu schon einen Etappensieg errungen.

Derzeit werden beim Black Forest Airport vor allem kleinere Geschäftsflieger, aber auch Frachtmaschinen abgefertigt, laut Großmann sind es zwischen 2 und 150 Maschinen am Tag. 2009 wurden in Lahr 13 000 Flugbewegungen gezählt. Die BNB Properties, eine Tochtergesellschaft der australischen Beratungs- und Investmentgesellschaft Babcock & Brown, hält mehr als 99 Prozent am Lahrer Flughafen.

Artikel vom 05.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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