Lebensgefährliche Abkürzung über Bahngleise

BAD CANNSTATT: 2008 starben 40 Kinder und Jugendliche bei solchen riskanten Manövern

 


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Die Bahnpolizei erwischte am Montag drei Jugendliche am Cannstatter Bahnhof, die verbotswidrig die Bahnsteige über die Gleise gewechselt hatten. „Ein Spiel mit dem Leben“, sagt Michael Glöckler, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Stuttgart. Im Jahr 2008 verloren auf dieses Weise 40 Kinder und Jugendliche ihr Leben.

Von Uli Nagel

Die Mitarbeiter der Bahnpolizei am Cannstatter Bahnhof trauten am vergangenen Montag nicht mehr ihren Augen. Am hellichten Tage kletterten drei Jugendliche gutgelaunt quer über die Gleise vom Bahnsteig 2/3 hinüber zum Bahnsteig 4/5. Das Lachen verging ihnen jedoch schnell, als sie von den Beamten zur Rede gestellt wurden. Über ihre Ausrede „Das haben wir nicht gewusst, dass das Überqueren an dieser Stelle verboten ist“ konnten die Bahnpolizisten nur den Kopf schütteln. Denn auch am Cannstatter Bahnhof stehen überall die rot-gelben Verbotschilder, die beim besten Willen nicht zu übersehen sind. Die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 17 Jahren wurden über ihr Fehlverhalten und das enorme Risiko aufgeklärt und mit jeweils 25 Euro Verwarnungsgeld zur Kasse gebeten. „Da die Bahn nicht überall Zäune und Mauern aufstellen kann, hoffen wir, dass solche Verwarnungsgelder fruchten“, sagt Michael Glöckler. Das Prekäre: Am gleichen Tag spazierten im Rems-Murr-Kreis vier Erwachsene zusammen mit sechs Jugendlichen auf einem Bahnhof verbotswidrig über die Gleisanlagen. Allesamt mussten ebenfalls jeweils 25 Euro bezahlen. „Die Erwachsenen gaben ein ganz schlechtes Vorbild ab“, so der Polizeioberkommissar, der dennoch nicht müde wird, auf die Gefahren von heranrauschenden Zügen zu warnen. „Die Gefahr, die Geschwindigkeit eines ICE falsch einzuschätzen, ist sehr hoch.“ Und falls der Zugführer eine Notbremsung einlegen müsse, sei es meistens zu spät. Ein tonnenschwerer Güterzug, der mit Tempo 100 unterwegs ist, hat einen Bremsweg von fast einem Kilometer, bis er zum Stillstand kommt. Ein ICE braucht immerhin noch 500 Meter. „Auch sind die modernen Züge sehr viel leiser und können bei entsprechenden Windverhältnissen überhört werden.“

Das Thema illegales Überqueren von Bahngleisen war bis vor einigen Jahren - obwohl nie etwas passiert ist - ein großes Problem im Stadtbezirk Münster. „Sogar Mütter mit Kinderwägen sind über die Schienen spaziert“, erinnert sich Bezirksvorsteherin Renate Schilling. Doch auch viele Jugendliche und natürlich Erwachsene wählten den lebensgefährlichen Weg über die breiten Gleisanlagen bei dem kleinen Vorstadtbahnhof. Der Grund: Dadurch sparte sich der Passant einen etwa 1,5 Kilometer langen Umweg. Nach mehreren Gesprächen zwischen Bezirksbeirat, Tiefbauamt, der Deutschen Bahn und der Polizei wurde dem schlussendlich durch einen massiven Zaun einen Riegel vorgeschoben. Laut Renate Schilling hat sich seitdem die Situation entspannt. „Die Polizei hat jedenfalls keine verbotenen Überquerungen mehr beobachtet“, so die Bezirksvorsteherin, die jedoch diese lebensgefährliche Unart - trotz Zaun - nicht gänzlich ausschließen will. Eine sichere Lösung sei ihrer Meinung nach immer noch der seit Jahren geforderte Steg zwischen dem Hallschlag und Münster. Doch dessen Realisierung war immer wieder an den mit gut zwei Millionen Euro doch hohen Baukosten gescheitert. Und auch in naher Zukunft wird sich da nichts tun, angesichts der leeren Kassen und Sparmaßnahmen.

Artikel vom 04.03.2010 © Eßlinger Zeitung

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