Verbraucherschutz: Entschädigung für Bankkunden

BAD CANNSTATT: Während die Bankomaten heute wieder funktionieren sollen, übt der Einzelhandelsverband Kritik

 

Laut Zentralem Kreditausschuss sollen ab heute bundesweit alle Bargeldautomaten wieder funktionieren. Auch das bargeldlose Bezahlen in Geschäften und an Tankstellen verlaufe zu 85 Prozent wieder reibungslos.Foto: Nagel
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Laut Zentralem Kreditausschuss sollen ab heute bundesweit alle Bargeldautomaten wieder funktionieren. Auch das bargeldlose Bezahlen in Geschäften und an Tankstellen verlaufe zu 85 Prozent wieder reibungslos.Foto: Nagel

 

Eigentlich sollte das Geldabheben inzwischen an fast allen Automaten wieder funktionieren. Etwas länger dauern kann es dagegen beim bargeldlosen Bezahlen in den Geschäften. Auch einige Läden in der Marktstraße waren von der Chip-Panne betroffen. Kunden mussten erst Geld von der nächsten Bank holen, da ihre EC-Karte den „Dienst verweigert“ hatte. Der Verbraucherschutz fordert deshalb die Banken zur Kulanz auf, falls ihren Kunden durch die Pannen Mehrkosten in Form von Gebühren entstanden sein sollten.

Von Uli Nagel

Die ganz große Aufregung wegen der Kreditkartenpanne scheint sich gelegt zu haben. Zumal die Kunden mittlerweile informiert wurden und die Geldautomaten laut dem Zentralen Kreditausschuss (ZKA), in dem die Spitzenverbände der deutschen Banken zusammengeschlossen sind, seit gestern wieder funktionieren sollen. Auch das bargeldlose Bezahlen mit der EC-Karte sei in den meisten deutschen Geschäften und Tankstellen wieder möglich. „Nur noch 15 Prozent der Geräte können die defekten Karten nicht lesen. Diese sollten aber bis zum Montag umprogrammiert sein“, so ein ZKA-Sprecher. Bei Kreditkarten könnte es länger zu Ausfällen kommen.

 

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Nur ganz am Rande sind die Kunden der Stuttgarter Volksbank von dem Problem tangiert. Zum einen liegt das am internen Rechenzentrum, was Pannen an den Geldausgabeautomaten verhindert. Und was das Bezahlen in den Geschäften angeht, so sind von den rund 91 000 EC-Karten, die im Umlauf sind, nur 470 Inhaber potenziell betroffen. „Dabei handelt es sich um die „Giro life card“, erklärt Volksbank-Sprecher Markus Rühle. Und die werde nur an Jugendliche ausgegeben. „Es gab bisher jedoch keine einzige Beschwerde.“

Die Postbank hatte das Problem an ihren rund 1700 Geldausgabeautomaten bereits am Montagabend im Griff. „Auf die Ladeterminals und mögliche Probleme im Ausland hatten wir keinen Einfluss“, so Sprecher Hartmut Schlegel. Allerdings müssten sich die Kunden über eventuelle anfallende Abheb- oder Transfer-Gebühren keine Gedanken machen. „Da werden wir kulante Lösungen anbieten.“

Bei der BW-Bank sind Kunden, die eine neue EC-Karte haben, auf der sicheren Seite. „Nur EC-Karten, die vor dem 1. Juli 2009 ausgestellt wurden, können von der Chip-Panne betroffen sein“, so BW-Sprecher Manfred Rube. Die Kreditkarte sei dagegen überhaupt nicht tangiert. Dennoch haben die Hotline-Mitarbeiter schon einige Anrufe zu diesem ärgerlichen Problem erhalten. „Viele Kunden riefen jedoch auch einfach nur an, um sich zu infomieren.“

Kritik an Informationspolitik

Doch gerade die Informationspolitik wird vom Verbraucherschutz kritisiert. „Die Kunden wurden nur sehr schleppend unterrichtet“, so Niels Nauhauser von den Verbraucherzentrale Baden-Württemberg und dort auch für das Bankenwesen zuständig. Umso überraschender sei es für ihn, dass sich bisher noch kein einziger über die Hotlines beschwert habe. Dennoch fordert er die Banken auf, bei diesem Thema und eventuell aufgetretenen finanziellen Nachteile Kulanz der Kreditinstitute gegenüber ihren Kunden.

Unterschiedlich war der Cannstatter Einzelhandel betroffen. Während es bei der Parfümerie Douglas und Schuh Strohm gar keine Pannen beim Bezahlen gab, mussten Kunden von Optik Binder und Uhren Hofmann am Montag, Dienstag und auch gestern kurz auf die Bank, um Bargeld zu holen. Während man in der Altstadt offenbar geduldig mit dem Problem umging, zeigte sich Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Handelsverbands (HDE) ziemlich erbost: „Der Ärger mit den fehlerhaften Chips auf EC-Karten zeigt, wie unverzichtbar das elektronische Lastschriftverfahren, also das Bezahlen mit EC-Karte und Unterschrift, ist.“ Viele Einzelhändler würden auf das Bezahlen mit Karte und Unterschrift vertrauen. Das hätte dazu beigetragen, dass sich die Probleme mit den fehlerhaften Bankkarten einigermaßen in Grenzen gehalten hätten. Trotz der von den Banken favorisierten neuen SEPA-Lastschrift halte der Handel an dem alten Lastschriftverfahren fest, das sich bewährt habe.

Der aktuelle Vorfall sei leider kein Einzelfall. „Ausfälle des EC-Kartensystems gebe es regelmäßig“, kritisierte Genth. „Die Kreditwirtschaft muss dafür sorgen, dass die von ihr angebotenen Systeme zuverlässig funktionieren. Schließlich zahlt der Einzelhandel hierfür jedes Jahr Gebühren in dreistelliger Millionenhöhe“, sagte der HDE-Hauptgeschäftsführer. „Die Banken müssen für Ausfälle des Systems mit Ausfallgarantien und Schadensersatz gerade stehen. Wir fordern eine entsprechende Regelung, der sich die Banken bisher allerdings widersetzen“, sagte Genth.

Die Probleme beim Bezahlen und Bargeldabheben mit Giro- und Kreditkarten stellen viele Reisende vor Probleme. Innerhalb Europas sollten Touristen derzeit zur Sicherheit mehr Bargeld oder Reiseschecks als sonst einstecken. Reisende außerhalb der Europäischen Union können dagegen in der Regel weiter Bargeld an Automaten ziehen: Die fehlerhaft programmierten Chips auf den Karten würden nur in Europa ausgelesen, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Im außereuropäischen Ausland nutzten die Automaten in der Regel den auf den Karten vorhandenen Magnetstreifen.

Doch sowohl Banken wie auch der Verbraucherschutz warnen davor, den Chip einfach abzukleben. „Dies kann zu Schäden an der EC-Karte, dem Geldautomaten oder dem Lesegerät führen“, so Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale. Zudem gehe im Falle einer Fehlabbuchung der Anspruch auf Haftung verloren.

Artikel vom 08.01.2010 © Eßlinger Zeitung

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