Papageien im Großstadt-Dschungel
BAD CANNSTATT: Nabu-Exkursion zu den wild lebenden Papageien im Rosensteinpark
Bad Cannstatt liegt zwar nicht im Regenwald, doch gibt es hier exotische Bewohner aus dem Dschungel: Papageien. Anfangs waren sie in Büschen und Bäumen zu finden. Zunehmend nehmen sie gerade in der kälteren Jahreszeit, auch mal gerne wärmere Plätze in Anspruch; etwa auf dem Kamin.
Dort sitzen sie und haben natürlich einen besonders guten Ausblick auf die Umgebung, die Altstadt Cannstatts, können beobachten, was sich in den Gassen so tut und wo es möglicherweise etwas zu fressen gibt. Etwa die Eibenbüsche in der Helfergasse. Dort hinterlassen sie ihre Spuren, indem sie die Zweige anknabbern und danach teils ausgespuckt auf den Boden fallen lassen. Wild sieht es aus, wenn sie dann ihr Fress-Revier hinterlassen. Anders wie bei anderen Vögeln.
Schließlich sind sie ja auch etwas Besonderes: die einzig außerhalb von Amerika befindliche Region, in der die Gelbkopfamazonen wild und frei leben. Seit 1984 wird in Stuttgart eher unfreiwillig bewiesen, dass Papageien nicht nur im Regenwald, sondern auch im Großstadt-Dschungel überleben können - und das auch trotz größerer Minus-Temperaturen.
Mittlerweile sind es nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (Nabu) rund 50 der bunten, exotischen Vögel, die die Gegend insbesondere rund um die Wilhelma und den Cannstatter Kurpark besiedeln. Wie gesagt, längst gehören auch Wohngebäude und Dächer zu ihrem Revier, auf dem sie sich laut krächzend niederlassen und für ein besonderes Bild sorgen.
Irgendwann im Jahre 1984 öffnete sich irgendwo im Stadtgebiet ein Käfigtürchen und eine Gelbkopfamazone büxste aus. Das Tier überstand entgegen aller Erwartungen den ersten Winter in Freiheit, fand genügend Futter, entkam Habicht, Fuchs und Kältetod und bekam dank der Bemühungen einiger wohlmeinender Tierfreunde sogar einen Partner. Das Pärchen begann 1986 zu brüten und begründete den Stuttgarter Clan der Gelbkopfamazonen.
Nach wie vor trifft man vor allem im Kurpark, im Rosensteinpark und rund um die Wilhelma auf die giftgrünen Papageien mit den knallgelben Köpfen, die ohrenbetäubende Schreie ausstoßen können. Weil die Vögel so ziemlich alles fressen, was ihnen an pflanzlicher Nahrung vor den Schnabel kommt und nicht wählerisch sind, überleben sie problemlos in Stuttgart: Wie viele andere Vögel auch profitieren sie vom reich gedeckten Tisch in der nahen Wilhelma, wo bei den Gehegen und Futterstellen immer ein Bröckchen zu finden ist. Außerdem futtern sie gerne Kirschenkerne, Platanen- und Eibensamen oder vertrocknete Zwetschgen.
Eigentlich kommen die Vögel nicht in Mitteleuropa - und auch nicht am Neckar - vor. Ihre Heimat sind Regenwälder in Mexiko. Umso spannender ist ein Besuch bei den einzigen tropischen Papageien aus der Familie der Amazonen, die in Europa in freier Wildbahn beobachtet werden können. Der Ornithologe Michael Schmolz vom Nabu Stuttgart hat die Vögel seit langem eingehend studiert und kann viele spannende Geschichten rund um Stuttgarts bunteste Vögel erzählen. So veranstaltete er kürzlich eine Führung. Er nimmt kritisch Stellung zum Aussetzen von fremden Arten. Denn diese sogenannten „Neozoen“ können möglicherweise für heimische Tiere zur Bedrohung werden, wenn sie ihren Lebensraum zu erfolgreich streitig machen. Bei Stuttgarts Papageien ist dies aber bislang nicht der Fall.



