Kritischer Stadtrundgang rund um den Stöckach
STUTTGART-OST: Leben zwischen Wohnidyll auf Halbhöhenlage und extremer Feinstaubbelastung am Neckartor
Mit dem angekündigten Abzug der EnBW aus ihrem Betriebsgelände an der Hackstraße stehen auch in diesem Gebiet weitreichende Veränderungen an. Grund genug für den dritten Stadtspaziergang der Reihe „Im Zusammenhang“ an dieser Stelle. Mit dabei waren Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, die die Diskussion mit ihren Beiträgen bereicherten: Uwe Stuckenbrock vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, Hans-Martin Mader als Verfasser des städtebaulichen Rahmenplans „Stöckach“, Martina Schütz von der städtischen Gemeinwesenarbeit und Ulrich Gohl vom Muse-O als Historiker und intimer Kenner des Stadtbezirks.
Der Weg begann am namensgebenden Stöckachplatz. Vor den Bauten der ehemaligen Tabakfabrik Waldorf-Astoria lassen sich die Geschichte des Stadtteils und die aktuelle soziale Situation wie unter einer Lupe lesen. Anschließend bot der Rundgang ein Bild von Zustand und Umfang des ehemaligen TWS-Geländes. Uwe Stuckenbrock berichtete von den Überlegungen zu dessen künftiger Nutzung. In der unmittelbaren Umgebung gab es darüber hinaus einige interessante und umstrittene Bauten, etwa die Turn- und Schwimmhalle der Berger Schule oder das Karl-Olga-Krankenhaus. Nach der Querung der Neckarstraße präsentierte die Reitzensteinstraße zwischen Gewerbebauten und Brachflächen Überraschendes von der Reihenhausidylle aus dem frühen 20. Jahrhundert über preisgekrönten Atelierhäuser von Barth + Barth aus den 1980er-Jahren bis zur Szenekneipe - das alles in einem städtebaulichen Niemandsland unmittelbar vor der Stadtautobahn.
Die Beziehung zwischen dem Stöckachviertel und den Schlossgartenanlagen war natürlich ein wichtiges Thema des Spazierganges. Darüber hinaus gab es auch spannende Einzelgebäude zu sehen: das klassizistisch anmutende Zeppelin-Gymnasium mit einer Sporthalle im Schleyer-Halle-Design, das erste Stuttgarter Rundfunkhaus im Stil der Neuen Sachlichkeit, die brandneue Erweiterung der Schwabengarage, ein architektonisch ambitioniertes Gerichtsgebäude aus den 1980er-Jahren sowie zwei der schönsten Stuttgarter Jugendstilhäuser.
Zum Schluss führte der Weg durch einen Teil der gründerzeitlichen Stadterweiterung um die Friedenskirche, die mit ihrem raffinierten System von Diagonalstraßen die steile Hangsituation überraschend selbstverständlich bewältigt.



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