„Der Bücherbus darf nicht sterben“
WANGEN/OBERTüRKHEIM: Eltern demonstrieren gegen geplante Einsparung - Unterschriftenaktion des Bürgervereins Obertürkheim
„Ich finde das eine absolute Frechheit“, ärgert sich Daniela Bücheler. Ständig würde von Seiten der Wirtschaft und Politik kritisiert, dass die Kinder heutzutage zu wenig Lesen und nicht mehr vernünftig Deutsch reden könnten. „Und dann will man die Einrichtung des Bücherbusses streichen. So wird Stuttgart niemals die kinderfreundlichste Stadt Deutschlands“, mahnt die Wangenerin. Sollte das Angebot wegfallen, besteht die nächste Möglichkeit erst wieder in der Stadtteilbücherei in Untertürkheim. Aber da würde sie ihre neunjährige Tochter Meike niemals alleine hinlaufen lassen. Im Gegensatz dazu zur zum Bücherbus, der vor der Wangener Kelter hält, schon. „Man kann hier alles finden, ich gehe immer gerne hin“, erklärt die Neunjährige.
Jede Woche fahren die Busse 23 Haltestellen in ganz Stuttgart an und versorgen die Stadtteile, die nicht über eine Bücherei verfügen. Auch in Wangen, Hedelfingen, Rohracker, Obertürkheim und Uhlbach machen sie Station. Zudem werden 18 Schulen und 18 Kindergären angesteuert. Alle drei Monate auch die Kindertagesstätte im Kornhasen. Gestern machten nun die Eltern und weitere Mütter ihrem Unmut mit einer Kundgebung am Bücherbus vor der Kelter Luft. „Wir haben viele Kinder mit Migrationshintergrund, da ist das Angebot doppelt wichtig“, weiß die Elternbeiratsvorsitzende Sandra Göhring. „Ohne kommen viele überhaupt nicht mehr mit Büchern in deutscher Sprache in Berührung“, warnt sie. Deshalb sammeln sie Unterschriften für den Erhalt. Und auch der Bezirksbeirat Wangen hat sich für den Bücherbus ausgesprochen.
Denn nun soll einer der beiden Busse dem Sparzwang der Stadt zum Opfer fallen. Insgesamt 75 Millionen Euro will die Verwaltung im Rahmen der Haushaltskonsolidierung einsparen. Alleine 7,8 Millionen Euro entfallen auf das Referat Kultur, Bildung und Sport. Das Kulturamt sieht daher keine Alternative, als einen der beiden Busse „Max“ und „Moritz“, benannt nach Wilhelm Buschs Lausbuben, stillzulegen. So könnten 180 000 bis 190 000 Euro pro Jahr eingespart werden. Aber auch mancher Stadtbezirk leer ausgehen.
„Man kann auch etwas kaputt sparen“, ist der Obertürkheimer Bezirksbeirat Peter Aichinger (Freie Wähler) überzeugt. Deshalb führt der Bürgerverein Obertürkheim/Uhlbach ebenfalls eine Unterschriftensammlung durch. Die Listen liegen in vielen Fachgeschäften und Banken aus. Bereits 800 Unterschriften aus ganz Stuttgart wurden OB Wolfgang Schuster übergeben, viele weitere werden aus den Oberen Neckarvororten hinzukommen.



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