Interkulturelle Waldorfschule geplant
BAD CANNSTATT: Start ab 2010 mit Tagesstätte - Initiativgruppe hat Genehmigung auf dem Hallschlag beantragt
In Mannheim nahm 2003 die interkulturelle Waldorfschule, eine Ganztagsschule mit sozial-integrativem Ansatz, ihren Betrieb auf. Kinder unterschiedlicher Herkunft, Nationalität und Religionszugehörigkeit sollen friedlich miteinander lernen und leben können. „An diesem Modell orientieren wir uns“, sagt Frank Dvorschak, Geschäftsführer der Michael-Bauer-Schule in Vaihingen, der sich an der Initiativgruppe beteiligt. Die Michael-Bauer-Schule ist eine von vier Waldorfschulen in der Landeshauptstadt. Das Mannheimer Modell arbeite sehr erfolgreich. Deshalb will die Intiativgruppe dieses Konzept auch in Stuttgart anbieten. Speziell in Bad Cannstatt. In der Neckarvorstadt und im Hallschlag gebe es viele Familien mit Migrationshintergrund. „Und wir wollen diesen Kindern auch ein attraktives Bildungsangebot zukommen lassen.“
Unterstützung erhält die Gruppe von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen Baden-Württemberg - und von der Mahle-Stiftung. „Beide Projekte müssen zunächst einmal getrennt voneinander betrachtet werden“, sagt Jürgen Schweiß-Ertl, Geschäftsführer der Mahle-Stiftung, der auch in der Initiativgruppe sitzt. „Die Finanzierung läuft völlig unterschiedlich.“ Die Mahle-Stiftung unterstützt das Vorhaben. Zunächst einmal ideell, „Gelder sind noch keine geflossen.“ In Absprache mit der Stadt habe man bereits einen möglichen Schulstandort angeschaut: Das ehemalige Öl-Epple-Areal. „Es gab Gespräche“, so Dvorschak. Noch seien viele Fragen offen, etwa nach der Kontaminierung des Bodens. Auf dem besagten Areal spielte sich Stuttgarts größte Umweltkatastrophe ab. Über Jahrzehnte flossen Alt-Öle, Fette und Pflanzenschutzmittel ins Erdreich. Noch offen ist die Frage, ob überhaupt ein Neubau möglich ist , oder zunächst in einem Provisorium begonnen wird.
Die interkulturelle Waldorfschule soll nämlich erst in einem zweiten Schritt realisiert werden. „Zunächst wollen wir mit einer Tagesstätte beginnen.“ Mit zwei Gruppen, eine Krabbelgruppe für Säuglinge bis zu Dreijährigen und eine altersgemischte Gruppe für bis Sechsjährige. Bereits im Januar soll der Betrieb aufgenommen werden. „Einen Raum dafür haben wir noch nicht.“ Deshalb werde verstärkt nach einer geeigneten Wohnung auf dem Hallschlag gesucht. Darin soll der Nachwuchs betreut werden, bis er das Schulalter erreicht hat und dann in die dazupassende Schule wechseln. Wesentlicher Pfeiler des integrativen Schulkonzepts ist der intensive Sprachunterricht, eine Besonderheit der begegnungssprachliche Unterricht. Ab der ersten Klasse lernen die Schüler wie in allen Waldorfschulen zwei Fremdsprachen. Neben Englisch können die Kinder an der Mannheimer Schule zusätzlich Polnisch, Russisch, Türkisch, Kroatisch oder Spanisch wählen, eine der Sprachen, die viele von ihnen bereits als Muttersprache kennen gelernt haben. Grundthema sei die Begegnung mit dem kulturell Fremden, so dass bei den sehr jungen Schülern kulturelle Vielfalt etwas Selbstverständliches, Interessantes und zugleich auch Vertrautes werde.
waldorfschulen
Waldorfschulen sind Schulen, an denen nach der von Rudolf Steiner begründeten Waldorfpädagogik unterrichtet wird. Die Waldorfpädagogik ist eine international verbreitete Pädagogik aus der Zeit der Reformpädagogik auf der Grundlage der ebenfalls von Steiner begründeten Anthroposophie. In Deutschland sind Waldorfschulen staatlich anerkannte Ersatzschulen in freier Trägerschaft. Neben den Waldorfschulen gibt es auch Waldorfkindergärten und heilpädagogische Anthroposophische Einrichtungen. Nach Angaben aus dem Jahr 2009 existieren weltweit 997 Waldorfschulen, 684 davon in Europa. Die meisten von ihnen befinden sich in Deutschland (213), gefolgt von den USA (130) und den Niederlanden (92).



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