Dümmer, als die Polizei erlaubt
Kuriose und tierische Meldungen des Jahres 2009
Stuttgart - Raubüberfälle, Verkehrsunfälle, Wohnungseinbrüche, Diebstahl - und anschließend der ganze Papierkram für die Akten: Das ist Polizeialltag landauf, landab. Allerdings entpuppt sich mancher Einsatz als derart lustige Begebenheit, dass es selbst den Ordnungshütern schwerfällt, nicht laut loszulachen. In diesem Jahr ist auch in Stuttgart so manches passiert - wie die nachfolgende Auswahl der kuriosesten Geschichten aus den vergangenen zwölf Monaten zeigt.
Mit dem Tresor über die Straße
Große Augen machten die Polizeibeamten Anfang Februar in Bad Cannstatt, als sie in den frühen Morgenstunden zwei Männer bemerkten, die mit einem Tresor in der Hand die Straße überquerten. Wie sich herausstellte, stammte der Safe aus dem Büro eines Nebengebäudes der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Außerdem fanden die Beamten bei den 20- und 25-jährigen Männern Behälter mit Münzen, Funkgeräte und einen Laptop.
Unterkühlter Leguan
Einen Leguan sieht man nicht alle Tage auf der Straße. Entsprechend verwundert rieben sich die Anwohner in Feuerbach die Augen, als sie das Tier Mitte Februar auf dem Gehweg bemerkten. Der 50 bis 60 Zentimeter lange Leguan war auf Grund der Kälte bewegungsunfähig. Die Polizisten brachten die Echse nach Rücksprache mit einem Tierarzt in die Wilhelma. Die Herkunft des Tieres ist unbekannt.
Weibliche Fasnetswillkür
Ein unerwartetes Ende nahm im Februar der Flirt einer unbekannten Fasnetsfeiernden mit einem 39-jährigen Narren in einem Café in Bad Cannstatt. Die beiden unterhielten sich gerade angeregt miteinander, als die schöne Unbekannte gegen 0.35 Uhr zu dem Mann sagte: „Du bist jetzt meins.“ Sie legte ihm an einem Arm Handschellen an und verschwand im Getümmel. Andere Narren kamen dem Mann zwar zur Hilfe, das Sexspielzeug bekamen jedoch auch sie nicht auf. Nun musste die Polizei ran: Die Beamten brachten den 39-Jährigen aufs Revier und probierten eine große Anzahl an Schlüsseln aus, bis endlich einer passte und sie den durchgeschwitzten Mann aus seiner misslichen Lage befreien konnten.
Panische Diebe
Bei der Aufnahme eines Bagatellunfalls fiel den Beamten in Untertürkheim zirka 100 Kilogramm Münzgeld im Wert von mehreren tausend Euro in die Hände. Ein Taxifahrer war mit zwei Männern unterwegs, als er an einem frühen Februarmorgen in einen Unfall verwickelt wurde. Als er daraufhin die Polizei rief, stiegen seine Fahrgäste plötzlich aus, zerrten ihre Sporttaschen aus dem Kofferraum und ergriffen die Flucht. Dabei platzte eine Tasche auf, mehrere Stoffsäcke mit Geld landeten auf der Straße. Zeit zum Aufsammeln blieb jedoch nicht, die Flüchtenden ließen die Taschen mit rund 100 Kilogramm Münzgeld zurück. Wie sich später herausstellte, stammte das Geld aus verschiedenen Einbrüchen.
Missglückter Schlag
Nicht in jedem steckt ein Golfprofi wie Tiger Woods und so ging im Juni für einen 30-jährigen Mann in Feuerbach der Versuch, mit einem bei Aufräumarbeiten gefundenen Golfschläger eine Blechdose abzuschlagen, gründlich daneben. Als er gerade zum Schwung ausholte, rutschte ihm der Schaft aus der Hand - statt der Dose flog der Golfschläger in hohem Bogen davon. Die schwere Stange flog rund zehn Meter weit durch die Luft und schlug im Glasdach eines geparkten VW Polo ein. Der Schaden belief sich auf zirka 300 Euro.
Dumm gefragt
Für einen 41 Jahre alten Mann endete die Heimfahrt mit dem Auto am 5. März auf dem Polizeirevier in der Innenstadt Der Mann kam am Nachmittag zum Polizeirevier, um nach dem Weg nach Aalen zu fragen. Allerdings roch der 41-Jähriger so stark nach Hochprozentigem, dass die Beamten kurzerhand einen Atemalkoholtest durchführten. Dieser ergab einen Wert von mehr als 1,1 Promille. Die Polizeibeamten ordneten eine Blutentnahme an und beschlagnahmten den Führerschein.
Rauchen schadet der Gesundheit
Alter schützt vor Torheit nicht und so zog sich in Plieningen ein 72 Jahre alter Mann im Juni Verbrennungen an Nase und Händen zu, als er sich trotz seiner Sauerstoffmaske eine Zigarette anzündete. Der bei geöffnetem Ventil in die Maske strömende reine Sauerstoff entzündete sich an der Flamme des Feuerzeugs und bildete eine Stichflamme. Der 72-jährige Mann musste in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
Strohballen gestohlen
Im September dieses Jahres machten Unbekannte bei einem Einbruch in einen Ziegenstall in Mühlhausen ungewöhnliche Beute. Sie nahmen etwa zehn Ballen Stroh mit. Schüler eines Gymnasiums
bemerkten den Einbruch und verständigten die Polizei. Die Schule hält im Rahmen eines Projekts in dem Stall mehrere Ziegen. Zum Abtransport der unhandlichen Beute dürften die Täter ein Fahrzeug benutzt haben.
Freilaufende Elefanten
Für Aufregung sorgten in Feuerbach Mitte September vier Zirkuselefanten, die einen Spaziergang unternahmen. Aufgelöste Passanten verständigten die Polizei, als die Dickhäuter ihnen auf einem Fußweg entgegen kamen. Viel zu tun, hatten die Beamten jedoch nicht: Als sie eintrafen, waren die Elefanten bereits zurück im Gehege eines unmittelbar in der Nähe gastierenden Zirkus. Dort behauptete man steif und fest, die Dickhäuer seien in Begleitung ausgeführt worden.
Graureiher verursacht Unfall
Gründe für Unfälle gibt es viele: Mal war der Hintermann zu schnell unterwegs, die Fahrbahn zu rutschig oder die Sonne stand zu tief. Eher selten dürfte ein tief fliegender Graureiher die Schuld tragen. Allerdings geschah genau dies im August. Ein Radfahrer war in den Unteren Schlossgartenanlagen unterwegs, als ein Vogel im Tiefflug seinen Weg kreuzte. Durch die Wucht des Zusammenpralls stürzte der 42-Jährige von seinem Drahtesel und erlitt schwere Verletzungen. Besser erging es dem Graureiher: Fast unbeeindruckt flog er in den nächsten Teich und erholte sich dort.
Morgenspaziergang
Lust auf einen Ausflug hatten Ende Juli zwei Esel im Stuttgarter-Osten, die aus einem Schulgarten ausbüxten. Talwärts trabten sie in Richtung Ostendplatz. Allerdings blieben sie nicht lange unentdeckt: Polizeibeamte bemerkten die Grautiere gegen 7 Uhr bei der Jugendherberge und holten Verstärkung. Die Tiere ohne Halter aufzuhalten, entpuppte sich jedoch als echte Herausforderung. Autofahrer unterstützten die Beamten, in dem sie versuchten, die Tiere mit ihren Fahrzeugen einzukesseln. Kurz vor dem Ostendplatz gelang es den Beamten schließlich, die Esel festzuhalten - sie banden ihnen kurzerhand die Trageriemen ihrer Diensttaschen um den Hals.
Zirkuspferde ausgebüxt
In diesem Jahr verspürten nicht nur Elefanten und Esel regen Bewegungsdrang, sondern auch fünf Zirkusponys und ein Pferd: Die Tiere spazierten Mitte Juli seelenruhig aus ihrem Gastgehege auf einem Hof. Dort hatte jemand das Gattertor zur Weide nicht richtig verschlossen. Mehr als eineinhalb Stunden dauerte die Suche nach den Tieren, die im Stadtteil Giebel unterwegs waren. Der letzte Ausreißer kam übrigens bis zur Ortsgrenze von Gerlingen, wo er von einem Polizisten eingefangen wurde.
Kurzer Führerscheinbesitz
Nur wenig Freude an seinem Führerschein hatte Anfang Dezember ein junger Mann. Der Grund: Eine halbe Stunde nach bestandener Prüfung musste er seinen Lappen wieder herausrücken. Der 21-Jährige war mit seinem Sportwagen durch den Schwanenplatztunnel gerast. Statt wie erlaubt mit Tempo 50 zu fahren, blitzten ihn die Beamten mit 121 Kilometer pro Stunde. Der Führerschein wurde an Ort und Stelle einkassiert. Der junge Mann dürfte in den nächsten Monaten wieder verstärkt zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein.



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